Fluoridionen

Es ist bekannt, dass Fluorid an Zähnen eine schützende CaF2-Schicht bildet, die einen besseren Schutz vor Karies und (in geringerem Ausmass) auch vor Zahnerosion bietet (Wiegand & Attin 2003).

Wirkung von Fluoridionen unter leicht bis mässig erosiven Bedingungen:
  • In saurem Milieu verstärkt sich die Dissoziation von Fluoridionen, und es entsteht eine höhere Konzentration an schützenden Fluoridionen als in pH-neutralen Fluoridlösungen (Ganss et al. 2008).
  • Es konnte gezeigt werden, dass eine langfristige, regelmässige Anwendung hochkonzentrierter Fluoridprodukte in vitro erosionsvorbeugend wirkt (Ganss et al. 2001b).
  • Ausserdem schützte eine regelmässige intensive Fluoridierung mit Zahnpasta, Zahnspülung und -gel den Zahnschmelz und das Dentin wirksamer vor Erosion als die regelmässige alleinige Anwendung von Fluorid-Zahnpasta oder gar keine Fluoridierung (Ganss et al. 2004).

Wirkung von Fluoridionen unter stark erosiven Bedingungen:
  • CaF2-Schichten sind im kariesrelevanten pH-Bereich zwar schwer löslich, bei Exposition gegenüber starken erosiven Angriffen aber relativ leicht löslich und zeigen, insbesondere in vitro, nur eine geringe Stabilität gegenüber Säureeinwirkungen.
  • Daher ist die Wirkung von Natriumfluorid als erosionsschützender Substanz am Zahnschmelz in vitro begrenzt.
  • Neuere Studien zeigen, dass die erosionshemmende Wirkung von Fluoriden stark von der jeweiligen Fluoridverbindung abhängt. Vor allem in Kombination mit Zinn- (oder anderen polyvalenten Metall)-Ionen zeigen Fluoride gute erosionshemmende Wirkungen (Ganss et al. 2009, Hove et al. 2008).

Wirkung von Fluoridionen auf das Dentin:
  • Bei topischer Fluoridierung kommt es zu einer Retention grösserer Fluoridmengen im Dentin, selbst in tieferen Schichten (Cate et al. 1995, Hellwig et al. 1992). Dadurch wird das Dentin weniger anfällig für Säureangriffe, zumindest solange die äusserste demineralisierte kollagenreiche Schicht nicht entfernt wird (Ganss et al. 2001b, Ganss et al. 2004).
  • Die Schutzwirkung von Fluorid—insbesondere Aminfluorid (Lussi et al. 2004)—auf freiliegendes Dentin lindert auch die Dentinüberempfindlichkeit; denn Fluorid bildet eine dicke CaF2-Schicht, die die Symptome des Patienten lindert  (Mordan et al. 2000).

Andere Einsatzmöglichkeiten von Fluoridionen zur Erosionsprävention:
  • Mit Zahnmineralien (Fluorid, Kalzium) angereicherte alkoholfreie Getränke wurden im Vergleich zu normalen alkoholfreien Getränken auf ihre erosionsschützende Wirkung hin untersucht, mit unterschiedlichen Ergebnissen (Amaechi & Higham 2005).
Nach Meinung mancher Zahnerosionsexperten hat der Zusatz von Fluorid zu alkoholfreien Getränken nur eine begrenzte erosionsvorbeugende Wirkung. Der Zusatz von Kalzium zur Senkung des Erosionspotenzials säurehaltiger Getränke scheint dagegen eine vielversprechende Option zu sein (Lussi & Jaeggi 2009). Mittlerweile sind viele mit Kalzium angereicherte Getränke, z. B. Orangensaft, auf dem Markt erhältlich.