Biologische Faktoren – Speichel

Der Speichel spielt eine der wichtigsten Rollen bei der Prävention und Neutralisation von Säureangriffen. Die anti-erosive Wirkung des Speichels hängt hauptsächlich von seiner Zusammensetzung und Flussrate ab; man nimmt an, dass beide von Person zu Person variieren.


Zusammensetzung:

  • Speichel bildet das Zahnpellikel, einen dünnen, hauptsächlich aus Proteinen bestehenden Überzug der Zahnoberfläche, der als Diffusionsbarriere fungiert und anfangs hemmend auf Säureangriffe wirkt.
  • Somit reduziert das Pellikel den Mineralverlust während eines Säureangriffs.
  • Durch eine längere Absenkung des pH-Werts geht der grösste Teil des Pellikel und damit auch dessen Schutzwirkung gegen erosive (und abrasive) Angriffe verloren.


Flussrate:

  • Die Speichelflussrate erhöht sich aufgrund visueller oder olfaktorischer Reize bereits vor einer direkten Säureexposition, was eine präventive Wirkung hat (Christensen & Navazesh 1984, Lee & Linden 1992, Engelen et al. 2003).
  • Daher weist die Zahnumgebung unter normalen Bedingungen aufgrund einer erhöhten Konzentration an Carbonat-, Phosphat-, Kalzium- und Fluoridionen bereits vor direkter Säureexposition ein erhöhtes Puffervermögen auf.
  • Die Speichelflussrate erhöht sich auch vor dem Erbrechen, nicht aber vor der Regurgitation, bei der es sich um eine unwillkürliche, also vom autonomen Nervensystem unabhängige Reaktion handelt.
  • Auch intraorale Reize und Kauen sorgen für einen ausreichenden Speichelfluss und Zahnschutz.


Weitere Einflussfaktoren:


  • Neben der Flussrate und Zusammensetzung des Speichels spielt auch die individuelle Speichelexposition der Zähne eine wichtige Rolle für ihre Anfälligkeit gegenüber Erosionsprozessen.
  • So sind die Fazialflächen der oberen Schneidezähne beispielsweise erosionsanfälliger als die Lingualflächen der unteren Zähne.

Speichelexposition von Zahnschmelz in vitro stellt die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegen erosive Angriffe ungefähr innerhalb einer Stunde wieder her (Wetton et al. 2006). In situ liegen, aufgrund individueller Unterschiede in der Flussrate und Zusammensetzung des Speichels, allerdings weniger eindeutige Schätzwerte für die hierzu erforderliche Zeitdauer vor. Möglicherweise dauert dieser Prozess in situ bis zu 24 Stunden (Hannig & Balz 1999).

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Es kann sinnvoll sein, Ihren Patienten das Kauen von zahnfreundlichem Kaugummi zu empfehlen. Da Kauen den Speichelfluss anregt, profitieren die Patienten möglicherweise von den erosionsschützenden Eigenschaften des vermehrten Speichels.