Zinnionen

Wirkstoffe, die in der Prävention und Therapie der Zahnerosion zum Einsatz kommen

Neuere Studien haben gezeigt, dass Zinnionen bei der Vorbeugung erosiven Zahnhartsubstanzverlustes eine wichtige Rolle spielen (Hooper et al. 2007, Hove et al. 2007). Ausser Zinnionen können auch andere polyvalente Metallkationen wie z. B. Titan eine erosionsschützende Wirkung haben (Büyükilmaz et al. 1997, Hove et al. 2008).

Es ist bekannt, dass zinnhaltige Fluoridlösungen zur Bildung von Ablagerungen an der Zahnoberfläche führen (Cooley 1961, Ellingsen 1986), die relativ säureresistent sind (Wiegand & Attin 2003, Ganss et al. 2008). Das Zinnion reagiert mit reinem Hydroxylapatit (Babcock et al. 1978, Jordan et al. 1971) und mit der Oberfläche der Zahnhartsubstanz (Cooley 1961, Krutchkoff et al. 1972), was zu einer geringeren Löslichkeit des Hydroxylapatits oder Zahnschmelzes führt (Ganss et al. 2008, Barbakow et al. 1985).


Wirkung von Zinnionen unter leicht bis mässig erosiven Bedingungen:
  • Zinnfluorid-Zahnpasta bietet in vivo im Vergleich zu Natriumfluorid-Zahnpasta nachweislich einen signifikanten Schutz vor Kalziumverlust (Young et al. 2006).
  • Zinnionen können die Auflösung von Zahnschmelz in vivo reduzieren und scheinen daher in der Erosionsprävention wirksam zu sein (Willumsen et al. 2004).
  • Eine in vitro-Untersuchung (Ganss et al. 2008) hat gezeigt, dass der erosive Mineralverlust unter nicht zu stark erosiven Bedingungen durch Lösungen, die SnF2 oder AmF/SnF2 enthalten, fast völlig zum Stillstand gebracht werden kann (10 Tage: 6 x 2 Min. in 0,05 M Zitronensäure (pH-Wert 2,3), 6 x 2 Min. Behandlung).
  • Reine SnCl2-Lösungen ohne Fluorid zeigten eine mässige erosionsschützende Wirkung, die im Bereich der Wirkung von NaF-Lösungen lag, was darauf hindeutet, dass die kombinierte Anwendung von Zinn und Fluorid für die anti-erosive Wirkung von Bedeutung ist. Um ein optimales Verhältnis zwischen verfügbaren Zinn- und Fluoridionen zu erreichen, ist es von Vorteil, die beiden Ionen aus separaten Quellen bereitzustellen (z. B. SnCl2, AmF, NaF).
  • Ausserdem haben Aminfluoride den Vorteil, stabilisierend auf Zinnsalze zu wirken.

Wirkung von Zinnionen unter stark erosiven Bedingungen:

  • Unter viel stärker erosiven Bedingungen (10 Tage: 6 x 5 Min. in 0,05 M Zitronensäure (pH-Wert 2,3), 2 x 2 Min. Behandlung) haben systematische in vitro-Untersuchungen eine positive Wirkung von aminfluoridhaltigen SnCl2-Lösungen selbst bei kurzzeitiger Anwendung gezeigt (Schlueter et al. 2009).

Wirkung von Zinnionen auf erodierten Zahnschmelz:
  • Eine neue Studie hat gezeigt, dass Zinn nicht nur an der Zahnoberfläche verbleibt, sondern auch in erodierten Zahnschmelz eingebaut werden kann. Dadurch verändert sich die Struktur des Zahnschmelzes, und seine Oberflächen werden weniger säurelöslich (Schlueter et al. 2009).
  • Die Menge des eingelagerten Zinns ist konzentrationsabhängig: Eine höhere Zinnkonzentration in der Lösung führt zu einer höheren Zinnaufnahme und besserer Wirksamkeit (Schlueter et al. 2009).
  • Die neuesten in situ-Ergebnisse zeigen die Überlegenheit von Zinnchlorid-, Aminfluorid- und Natriumfluorid-Kombinationen im Vergleich zu reinen Fluoridlösungen (Ganss et al. 2009).

So wirken Zinnionenlösungen:

  • Die Wirksamkeit solcher Lösungen beruht auf der Ablagerung einer zinnreichen Schicht an der Zahnoberfläche und der anschliessenden Einlagerung von Zinn in die äussersten Zahnoberflächenschichten während darauffolgender Säureangriffe (Schlueter et al. 2009).
  • Die zunächst gebildete amorphe zinn- und fluoridhaltige Schicht wird zumindest teilweise aufgelöst, und es finden komplexe Demineralisierungs- und Remineralisierungsprozesse statt, die zur Einlagerung schwer löslicher Verbindungen in den erodierten Zahnschmelz führen. Man nimmt an, dass diese Verbindungen aus verschiedenen Zinn- und Fluoridsalzen bestehen (Ganss & Schlueter 2009).